Viele Auswanderer werden von der Vorstellung angelockt, in Dubai komplett steuerfrei zu leben. „Keine Steuern zahlen“ klingt nach dem perfekten Lebensmodell. Doch stimmt das wirklich? In diesem Artikel klären wir, welche Steuern es in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) tatsächlich gibt, welche Missverständnisse kursieren und worauf Auswanderer achten sollten.
Einkommenssteuer: Ja oder Nein?
Die wichtigste und zugleich attraktivste Nachricht für viele, die nach Dubai ziehen: In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es keine klassische Einkommensteuer für Privatpersonen. Wer dort als Angestellter arbeitet, kann sein gesamtes Gehalt brutto für netto behalten. Auch Selbstständige und Freiberufler müssen ihre Einnahmen nicht versteuern.
Darüber hinaus existiert keine Abgeltungsteuer, wie man sie aus Deutschland kennt. Zinsen, Dividenden oder andere Kapitalerträge werden in Dubai nicht besteuert. Gleiches gilt für Vermögen – ein Punkt, der Dubai besonders interessant für vermögende Privatpersonen macht. Selbst Erbschaften und Schenkungen bleiben steuerfrei, sodass Vermögensübertragungen innerhalb der Familie ohne steuerliche Belastung möglich sind.
Diese Rahmenbedingungen schaffen für Privatpersonen ein finanziell äußerst attraktives Umfeld und erklären, warum Dubai weltweit als einer der steuergünstigsten Wohnsitze gilt.
Körperschaftssteuer: Neue Regeln seit 2023
Während Privatpersonen also weiterhin keine Einkommensteuer zahlen müssen, hat sich die Situation für Unternehmen geändert. Über Jahrzehnte galt Dubai als ein Ort, an dem auch Unternehmen keine Steuern entrichten mussten. Seit dem 1. Juni 2023 wurde jedoch eine Körperschaftssteuer eingeführt.
Diese beträgt neun Prozent auf Gewinne, die den Schwellenwert von 375.000 AED – das entspricht etwa 93.000 Euro – überschreiten. Gewinne darunter bleiben steuerfrei, was kleinen und mittleren Unternehmen weiterhin entgegenkommt. Die neue Steuer gilt in erster Linie für Unternehmen auf dem sogenannten „Mainland“, also Firmen, die in Dubai außerhalb der Freezones registriert sind.
Allerdings betrifft sie inzwischen auch viele Freezone-Unternehmen, die nicht ausschließlich mit dem Ausland handeln. Nur bestimmte Freezones, die sich streng an die dort geltenden Bedingungen halten, können weiterhin steuerliche Privilegien genießen. Unternehmer müssen daher ihre Unternehmensstruktur sorgfältig planen und prüfen, ob sie von Ausnahmen profitieren oder ob die neue Körperschaftssteuer auf ihre Gewinne anwendbar ist.
Mehrwertsteuer (VAT) – Die versteckte Steuer
Auch wenn Dubai oft als komplett steuerfrei beschrieben wird, gibt es seit 2018 eine allgemeine Mehrwertsteuer, die sogenannte Value Added Tax (VAT). Diese beträgt fünf Prozent und wird auf die meisten Waren und Dienstleistungen erhoben.
Für Verbraucher bedeutet das, dass Einkäufe, Restaurantbesuche oder Dienstleistungen nicht völlig steuerfrei sind, sondern mit dieser zusätzlichen Belastung einhergehen. Für Unternehmen gilt: Ab einem Umsatz von 375.000 AED müssen sie sich für die Mehrwertsteuer registrieren und diese regelmäßig an die Behörden abführen. Das erfordert eine ordentliche Buchhaltung und die Einhaltung von Berichtspflichten.
Damit unterscheidet sich Dubai zwar immer noch stark von Ländern wie Deutschland, wo die Mehrwertsteuer bei 19 Prozent liegt, dennoch handelt es sich um eine Steuer, die viele Auswanderer anfangs gar nicht auf dem Schirm haben.
Immobilien und Grundsteuern
Ein weiterer spannender Aspekt betrifft Immobilienbesitzer. Wer in Dubai eine Wohnung oder ein Haus kauft, zahlt keine laufende Grundsteuer, wie man sie aus Europa kennt. Das macht Immobilienbesitz im Vergleich zu vielen anderen Ländern sehr attraktiv.
Allerdings gibt es gewisse einmalige und laufende Kosten. Beim Kauf einer Immobilie wird beispielsweise eine Registrierungsgebühr beim Dubai Land Department fällig, die in der Regel vier Prozent des Kaufpreises beträgt. Zusätzlich müssen Eigentümer mit sogenannten „Service Charges“ und Instandhaltungsgebühren rechnen, die je nach Wohnanlage und Lage variieren können.
Diese Gebühren sind jedoch keine Steuern im klassischen Sinne, sondern Verwaltungs- und Betriebskosten, die für die Pflege und den Betrieb von Wohnanlagen erhoben werden. Dennoch sollte man sie bei der Finanzplanung berücksichtigen, um nicht überrascht zu werden.
Häufige Missverständnisse
Viele Auswanderer starten mit falschen Vorstellungen, wenn es um das Steuersystem in Dubai geht. Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass es dort überhaupt keine Steuern gebe. Das stimmt so nicht. Zwar bleibt das Einkommen steuerfrei, doch mit der Einführung der Körperschaftssteuer und der Mehrwertsteuer gibt es sehr wohl steuerliche Verpflichtungen.
Ein weiteres Missverständnis betrifft den Wohnsitz. Manche glauben, dass man automatisch steuerfrei lebt, sobald man sich in Dubai anmeldet. Tatsächlich hängt es stark vom Heimatland ab, ob man weiterhin dort steuerpflichtig bleibt. Länder wie Deutschland prüfen genau, wo der sogenannte „Center of Life“ einer Person liegt – also ob Familie, Eigentum oder wesentliche wirtschaftliche Interessen noch im Heimatland bestehen. Wer diese Punkte nicht berücksichtigt, läuft Gefahr, trotz Anmeldung in Dubai weiterhin in Deutschland steuerpflichtig zu sein.
Auch der Begriff „Freezone“ sorgt oft für Verwirrung. Viele gehen davon aus, dass eine Firmengründung in einer Freezone automatisch steuerfrei ist. Doch auch Freezone-Unternehmen können inzwischen von der Körperschaftssteuer betroffen sein, insbesondere wenn sie mit dem lokalen Markt Geschäfte machen.
Fazit: Steuerfreiheit – mit Einschränkungen
Zusammenfassend lässt sich sagen: Dubai bietet nach wie vor enorme steuerliche Vorteile. Es gibt keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragsteuer und keine Vermögenssteuer. Für Privatpersonen ist das ein großer Anreiz, in die Metropole am Persischen Golf auszuwandern.
Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass die Zeiten, in denen Dubai gänzlich steuerfrei war, vorbei sind. Mit der Einführung der Körperschaftssteuer für Unternehmen und der Mehrwertsteuer für Verbraucher gibt es mittlerweile durchaus steuerliche Belastungen.
Wer die Regeln kennt und sich rechtzeitig mit den rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzt, kann jedoch weiterhin von einem der attraktivsten Steuersysteme der Welt profitieren. Wichtig ist, dass man sich nicht von Mythen und Halbwahrheiten leiten lässt, sondern auf fundierte Informationen und professionelle Beratung setzt. Nur so lässt sich die Steuerfreiheit in Dubai wirklich optimal nutzen.